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Laser-in-situ-Keratomileusis
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Die Laser-in-situ-Keratomileusis (LASIK) ist eine mit einem Excimerlaser durchgefĂŒhrte Augenoperation zur Korrektur optischer Fehlsichtigkeiten, die im Gegensatz zur Photorefraktiven Keratektomie (PRK) nicht an der OberflĂ€che, sondern ausschließlich im inneren (in-situ) Teil der Hornhaut (Stroma) durchgefĂŒhrt wird. Sie stellt eine Alternative zur Korrektur einer Fehlsichtigkeit mittels Brille oder Kontaktlinse dar. Der Eingriff ist die derzeit verbreitetste Methode innerhalb der refraktiven Chirurgie.

Contents

‱ Grundlagen
‱ Grenzbereich
‱ Risiken
‱ Literatur
‱ Weblinks

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Grundlagen

Siehe auch

:

„Funktionsweise“ im Artikel Refraktive Chirurgie

Bei diesem seit 1990 angewendeten Laserverfahren wird durch Gewebeabtrag in der Hornhaut eine Änderung der HornhautkrĂŒmmung erreicht. Der Gewebeabtrag in der Hornhaut wird durch das Schneiden und Öffnen einer Lamelle, dem sogenannten Flap, möglich. Ein LASIK-Patient hat sehr schnell und relativ schmerzfrei scharfe Sicht, da die Operation unter der schmerzempfindlichen HornhautoberflĂ€che vorgenommen wird und das Epithel, im Gegensatz zu den OberflĂ€chenbehandlungen (PRK, Trans-PRK) nicht erst nachwachsen muss. Durch den operationsbedingten Hornhauteinschnitt (flap) ergibt sich jedoch ein anders gelagertes Risikopotential als bei der oberflĂ€chlich verlaufenden PRK.

Die LASIK bietet die Chance das breiteste Spektrum der Fehlsichtigkeiten von Kurzsichtigkeit (bis -10 dpt), Übersichtigkeit (Weitsichtigkeit, bis +4 dpt) und Astigmatismus (bis -5 dpt) zu korrigieren, stellt aber in der Regel auch einen operativen Eingriff an einem prinzipiell gesunden Organ dar. Im besten Fall ist der verbleibende refraktive Fehler kleiner als ±0,5 dpt und der Patient kann meist ohne Sehhilfen (Brille, Kontaktlinse) leben. Der unkorrigierte Visus, d. h. die SehschĂ€rfe ohne Hilfsmittel, verbessert sich in der Regel dramatisch und erreicht idealerweise 1,0 oder mehr. Der bestkorrigierte Visus (SehschĂ€rfe mit optimaler Brillenkorrektur) hingegen bleibt (je nach Behandlungsmethode) meist unverĂ€ndert oder Ă€ndert sich geringfĂŒgig.

Historische Entwicklung der Refraktiven Chirurgie

Jahre der radialen Keratotomie (RK)

Die Operation an einem organisch gesunden Auge, welches nur einer Sehhilfe, also Brille oder Kontaktlinse bedarf, um ohne diese scharf zu sehen war keine Entwicklung, welche die Lehrstuhlinhaber von UniversitĂ€ten auf den Weg brachten. Es waren die Pioniertaten von „EinzeltĂ€tern“ der praktischen angewandten Augenheilkunde, die oft vom eigenen Handicap der AbhĂ€ngigkeit von der Brille getrieben waren fĂŒr sich selbst eine wissenschaftlich fundierte Lösung fĂŒr die Beseitigung der Fehlsichtigkeit zu finden. Die erste Publikation zu diesem Thema ist wahrscheinlich der in der damals dominierenden Wissenschaftssprache Deutsch 1885 verfasste Bericht des norwegischen Augenarztes Hjmar Schiotzcite-ref-1[1] der in den Archiven der Augenheilkunde von der operativen Korrektur eines extremen Astigmatismus durch geschickt gewĂ€hlte Hornhautschnitte berichtet. Der japanische Augenarzt Tsutomu Satƍcite-ref-2[2] griff dieses Konzept der VerĂ€nderung der Brechkraft der Hornhaut durch Hornhautschnitte wieder auf, um es nach einer Serie von enttĂ€uschenden Eingriffen Ende der 1940er Jahre dem russischen Augenarzt Svyatoslav Fyodorovcite-ref-0-3-0[3] zu ĂŒberlassen, die Methode der radiĂ€ren Keratomiecite-ref-5-4-0[4] durch eine ĂŒbermĂ€chtige Zahl an Eingriffen so zu perfektionieren, dass man mit Hilfe der von ihm entwickelten Nomogramme durch Schnitttiefe, LĂ€nge und Lage der Schnitte einigermaßen vorhersehbare BrechkraftverĂ€nderungen, im Idealfall sogar Freiheit von Brille und Kontaktlinse erreichen konnte. Diese Methode wurde spĂ€ter von Theo Seilercite-ref-5-4-1[4] bei der ersten Augenlaser-Behandlung mit dem Excimerlaser umgesetzt. Nachteilig erwiesen sich jedoch die durch die Hornhaut-Schnitte erzeugten Hornhaut-Narben, die oft nahe bis ans Zentrum der optisch wirksamen Sehachse reichten und besonders nachts bei weiter Pupille zu erheblichen Streu- und Blendungseffektencite-ref-6-5-0[5] fĂŒhrten. Auch wurde bald klar, dass mit der radialen Keratotomie operierte Patienten tageszeitliche Schwankungen der SehschĂ€rfe hinnehmen mussten, wie auch eine Tendenz zu fortschreitender Weitsichtigkeit,cite-ref-5-4-2[4] die gerade im Alter besonders die ohnehin eintretenden Alterssichtigkeit (Presbyopie) und damit den Bedarf an Lesebrille verstĂ€rkte. Die RK hat besonders in den USA zur weiten Verbreitung gefĂŒhrt.

Pionierzeit der LASIK

Zeitlich fast parallel entwickelte der spanische Augenarzt JosĂ© Ignacio Barraquercite-ref-6[6] in Kolumbien eine chirurgische Methode, durch eine planparallele Spaltung der Hornhaut und eine intrastromale VerĂ€nderung die optischen BrechkrĂ€fte der Hornhaut umzugestalten: die sogenannte Keratomileusis (altgriechisch ΚΔρατωΜ Hornhaut; ΜÎčλΔυσÎčσ Formgebung). Zu dieser Zeit gab es an keiner UniversitĂ€t eine formale Ausbildung zur refraktiven Chirurgie, sondern die Pioniere bestellten dieses neu entstehende Feld der Augenheilkunde durch Selbststudium, selbst organisierte Workshops, klinisch experimentelles Vorgehen, Treffen auf kleinen Satelliten-Kongressen von grĂ¶ĂŸeren Konferenzen der Fachgruppecite-ref-7[7]cite-ref-8[8] oder persönlichen Tutorials. Da Instrumente wie mikrochirurgische Instrumente zum Bearbeiten der Hornhaut, wie Keratome, kalibrierbare Hornhautmesser, spĂ€ter auch die Excimerlaser von der in diesem Sektor aufblĂŒhenden Industrie frei verkĂ€uflich waren, sorgten wegen der ungeregelten Ausbildung zum refraktiven Augenchirurgen systemimmanente Komplikationsmöglichkeiten der Anfangszeit zu dem zum Teil berechtigten Ruf, die refraktive Augenchirurgie sei etwas extrem GefĂ€hrliches. So entwickelte sich sehr frĂŒh eine Spaltung der Lehrmeinung in der Augenheilkunde, wobei die eine Gruppe das Zukunftspotential dieser Operationen erkannte und in den bereits vorliegenden wissenschaftlichen Erkenntnissencite-ref-9[9]cite-ref-10[10] die Grundlagen fĂŒr einen berechtigten chirurgischen Eingriff sah, die andere Gruppe es aber als Verletzung des Berufsethos wertete, am Auge, das durch Brille oder Kontaktlinse die best-korrigierte SehschĂ€rfe erreichte, „unnötige“ chirurgische Eingriffe vorzunehmen.cite-ref-8-11-0[11] Bereits im Jahre 1995 kam es in Deutschland unter FederfĂŒhrung von Augenarzt Michael Knorz (Mannheim) zur GrĂŒndung der Kommission Refraktive Chirurgie (KRC),cite-ref-12[12] einem Zusammenschluss der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft (DOG) und des Berufsverband der AugenĂ€rzte Deutschlands (BVA), die regulativ in die Ausbildung des Laserarztes eingriff, jĂ€hrliche Zertifizierungsfortbildungen anbot und seitdem jĂ€hrlich Empfehlungen zur Indikation und Kontraindikation des refraktiven chirurgischen Eingriff entsprechend neuester wissenschaftlicher Erkenntnissecite-ref-13[13] publiziert. Am 21. September 2007 verkĂŒndete das augenĂ€rztliche Beraterteam der NASA um Steven Schallhorn, dass die Femto-LASIK als so sicher beurteilt werden konnte, dass diese Operation auch fĂŒr Astronauten zugelassen werden könne.cite-ref-14[14]cite-ref-15[15]

Internationale Kooperation

In den frĂŒhen 1990er Jahren herrschte internationale Aufbruchsstimmung in der vom Excimerlaser (EXCIted dIMer LasER) unterstĂŒtzten refraktiven Hornhaut-Chirurgie. Steven Trokelcite-ref-6-5-1[5] von der Columbia State University / New York als Kliniker, John Marshallcite-ref-16[16] vom Moorfield’s Eye Hospital, London als Histopathologe sowie Charles Munnerlyncite-ref-17[17]cite-ref-18[18] (USA) als Physiker hatten die Grundlagen fĂŒr die lasertechnische Anwendung des Excimerlasers und der Beschreibung seiner Wechselwirkung mit der Hornhaut gelegt. Das Jahrzehnt vorher war dominiert von mechanischen Schneidetechniken der Hornhaut, wie die Radiale Keratotomie/RKcite-ref-0-3-1[3] von S. N. Fyodorowin der UdSSR,cite-ref-1-19-0[19] der automatischen lamellierenden Keratotomie/ALK von Luis Ruis in Kolumbien, von Jörg Krumeichcite-ref-20[20] in Bochum/Deutschland oder seit 1982 auch der Excimerlaser-(unterstĂŒtzten)-Radialen Keratotomie (RK) von Theo Seiler in Deutschland. Der Einsatz des von IBM fĂŒr die Produktion von Computer-Platinen entwickelten Excimerlasers versprach die erforderliche exponentielle Steigerung der PrĂ€zision hinein in den Mikrometer-Bereich, um die Brechkraft der Hornhaut (ca. 15 ”m Dicke entsprechen ≈ 1 dpt) ausreichend genau vorhersagen und verĂ€ndern zu können. Die von Charles Munnerlyn entwickelten Abtrags-Algorithmen am Tiermodell stellen die bis heute gĂŒltigen Grundlagen der Excimerlaser-Programmierung dar. Patentstreite zweier amerikanischer GrĂŒnder-Firmen, SUMMIT und VISX, beschĂ€ftigten noch jahrelang die amerikanischen Gerichte und endeten mit einer Millionen-Dollar-Abfindung fĂŒr Steven Trokel und der Fusion der beiden GrĂŒnderfirmen (Beleg: persönliche Kommunikation Marguerite McDonald). Die erste weltweit durchgefĂŒhrte Photorefraktiven Keratektomie (PRK) an einem sehenden menschlichen Auge erfolgte durch Marguerite McDonaldcite-ref-21[21] am 25. MĂ€rz 1988 in New Orleans / USA. Dieses Auge wurde von einer Patientin der Wissenschaft fĂŒr dieses Experiment zur VerfĂŒgung gestellt, da es sowieso wegen eines malignen Melanoms entfernt werden musste. Diese historische Behandlung darf als der erste klinische Beweis gewertet werden, der die am Tiermodell erarbeitete Vorgehensweise zur BrechkraftverĂ€nderung des Auge mittels PRK am Menschen bestĂ€tigen konnte.

Die von der PRK (Photorefrakive Keratektomie) geprÀgten Jahre

Die bei der FDA (Food and Drug Administration/USA) eingereichten Zulassungsstudien und die ungesicherte Rechtslage fĂŒr die Erstanwender der Laser-Chirurgie in den USA fĂŒhrte zu einem regelrechten Patienten-Tourismus aus den USA ĂŒber die Grenze nach Kanada zu den Augenlaser-Pionieren Gordon Balazsi und Marc Mullie in Montreal, die, 1993 beginnend, in kurzer Zeit Verlaufsstudien zur PRK mit großer Patientenzahl auf internationalen Kongressen prĂ€sentieren konnten. Die FDA-Zulassung in den USA fĂŒr die PRK erfolgte 1995 und die fĂŒr die Keratom-LASIK 1998. Dies bedingte eine extrem schnellen Zunahme der Behandlungszentren mit dem Excimerlaser auch in den USA. Die eigentlichen innovativen Schritte der Weiterentwicklung der refraktiven Augenlaser-Behandlung mittels LASIKcite-ref-1-19-1[19] erfolgten aber in dem weniger regulierten Europa. 1991 begannen JosĂ© GĂŒellcite-ref-22[22] und Kollegen in Barcelona, Joannis Pallikariscite-ref-23[23]cite-ref-24[24] in Heraklion/Kreta, Lucio Buratto in Mailand/Italien, Michael Knorz in Mannheim und Theo Seiler in Dresden/Deutschland mit der Anwendung des Excimerlasers zur Beseitigung der Kurzsichtigkeit. Lucio Buratto fĂŒhrte Steven Slade und Stephen Brint in die Laser-Technik ein,cite-ref-25[25] welche zurĂŒck in den USA die Zulassungsstudien bei der FDA (Federal Drug Administration) fĂŒr den SUMMIT-Laser initiierten. Mit Ausnahme der UniversitĂ€t von Mannheim und Dresden in Deutschland, die in ihren Abteilungsleitern Michael Knorz und Theo Seiler engagierte Vertreter des neu sich entwickelnden Fachgebietes hatten, verhielten sich andere UniversitĂ€ten gegenĂŒber den Eingriffen an, im Übrigen gesunden aber nur durch abweichender Brechkraft verĂ€nderten, Augen zurĂŒckhaltend. Auch Thomas Neuhann aus MĂŒnchen, ein spĂ€ter international renommierter Excimer-Laserarzt,cite-ref-7-26-0[26] der sich ĂŒber die Wundheilung der perforierenden Keratoplastik/Hornhaut-Transplantation habilitiert hatte, stand der Methode anfĂ€nglich sehr reserviert gegenĂŒber. Einer der fortschrittlichsten Excimerlaser in Deutschland war damals der von Kristian Hohla aus Puchheim entwickelte KERACOR 116, welcher von Medizinern wie Luis Ruiz (Bogota/Kolumbien), Michael Knorz (Mannheim/Deutschland), Wolfgang PfĂ€ffl (MĂŒnchen/Deutschland) und Matthias Maus (Köln/Deutschland), sowie Gordon Balazsi und Marc Mullie (Montreal/Kanada) bei Bestrebungen zur Verbesserung der Excimer-Lasertechnologie angewendet wurde. Sinan Goeker (Istanbul/TĂŒrkei), der ebenfalls den gleichen Laser nutzte, verfĂŒgte damals ĂŒber die ersten experimentellen klinischen Ergebnisse dieses Excimerlasers am menschlichen Auge, die fĂŒr die Zulassung des GerĂ€tes erforderlich waren. Durch die auftretenden Probleme der PRK wie reduzierte Nachtfahrtauglichkeit, Verlust der bestkorrigierten SehschĂ€rfe durch zentrale Gewebereste („Zentrale Inseln“) oder Hornhaut-Narben-Bildung („Haze“), zu kleinen optischen Zonen sowie geringer LangzeitstabilitĂ€t des Augen-Laserresultates drohte das Augenlaserverfahren in der Regenbogenpresse in Verruf zu geraten.cite-ref-8-11-1[11]cite-ref-9-27-0[27] Eine neue Alternative stellte die aus Kolumbien kommende Technik der Keratom-LASIK nach Luis Ruiz dar, die sehr schnell von Michael Knorz in Mannheim im Rahmen der universitĂ€ren Forschung etabliert werden konnte. Augenlaserchirurgen aus ganz Europa kamen nun auch nach Mannheim, um sich von Michael Knorz in die Technik einfĂŒhren zu lassen. Das Auftreten von Probleme wie Schmerzen nach der Operation und „Haze“-Bildung wurden nun abgelöst durch selten beobachtete Hornhaut-EntzĂŒndung (als diffus lamellierende Keratitis), Epithel-Einwachsungen in das Hornhaut-„Flap“ oder ein irregulĂ€rer Hornhautabtrag mit dem PhĂ€nomen der bereits von der PRK bekannten zentralen Gewebe-Inselbildung beim „Broad-Beam-Laserprofil“. Emanuel Rosencite-ref-28[28] (London/UK), der schon frĂŒh in England zusammen mit John Marshall die PRK einzufĂŒhren versuchte, begegnete im medizinisch konservativen England noch mehr ZurĂŒckhaltung gegenĂŒber der modernen Technik als in Deutschland herrschte, er zog sich in dieser Zeit von Excimerlaser-Behandlungen zurĂŒck.cite-ref-29[29] Er begann erst wieder mit Augenlaserbehandlungen als unter Kristian Hohla das modernere „Flying-Spot-Laserprofil“cite-ref-30[30] auf den Markt kam, um einem Patentstreit mit einem amerikanischen Laserhersteller aus dem Weg zu gehen.

Die LASIK-Operation gewinnt an Bedeutung

1995 fĂŒhrte Wolfgang PfĂ€ffl, inspiriert von Michael Knorz aus Mannheim, der diese Technik bei Luis Ruis in Bogota kennengelernt hatte, seine erste Keratom-LASIK durch. Im gleichen Jahr begann nun auch Thomas Neuhann, der Steven Slade aus den USA als Tutor eingeladen hatte, mit der LASIK-Technik zu operieren. Die ersten Laser-assistierten Keratom-LASIKs wurden in der „free-Flap“-Technik mit dem „Automated Corneal Shaper“ von Ruiz durchgefĂŒhrt. Das abgeschnittene „Flap“ wurde wĂ€hrend der Excimerlaser-Einwirkung auf die Hornhaut beiseite gelegt und anschließend entsprechend vorher angebrachter Markierungen wieder auf die durch den Excimerlaser behandelte Hornhaut zurĂŒck verbracht. Lucio Buratto (Mailand/Italien) verlegte den Laserabtrag auf die RĂŒckseite des „Flaps“, eine Technik, die sich wegen technischer Schwierigkeiten nicht durchsetzen konnte. Die heute ĂŒbliche LASIK-Technik mit dem zurĂŒck geklappten Flap verdanken wir der eher zufĂ€lligen Entdeckung von Ioannis Pallikariscite-ref-31[31] aus Heraklion/Griechenland, dem bei einem geplanten „freien Flap“ das Keratom am Ende der SchnittfĂŒhrung hĂ€ngen blieb. Da der Arbeitsbereich fĂŒr den Laser genĂŒgend groß war, setzte er die Behandlung mit dem Excimerlaser fort und entdeckte dabei, dass die noch festhĂ€ngende Hornhautkappe, das „Flap“ (engl. „Klappe“), viel perfekter auf dem Hornhautbett zu liegen kam, wenn es noch an seinem Scharnier (engl. „Hinge“) mit der Hornhaut verbunden blieb. In der Folgezeit wurden fast alle auf dem Markt befindlichen „Corneal Shaper“ umgebaut und mit einem Stopper versehen, um die Scharniertechnik von Pallikaris geplant durchfĂŒhren zu können. Diese mechanische Schnitttechnik in den verschiedensten Varianten dominierte den Augenlaser-Markt ĂŒber ein Jahrzehnt. Wegen des möglicherweise grĂ¶ĂŸeren Potentials eines Fehlschnittes, eines zu kleinen „Flaps“ oder irregulĂ€ren „Flaps“ („Knopfloch“ „Button Hole“) durch das eingesetzte Keratom,cite-ref-32[32] welches sich bei Saugungsverlust vom Auge lösen kann, stand auch diese Technik in der Kritik derjenigen LaseraugenĂ€rzte, die die PRK trotz ihrer Probleme als sicherere Methode propagierten, da die PRK in den USA auch die Zulassung fĂŒr die Luftfahrt erhalten hatte. Die Begeisterung fĂŒr die neue Technik der Keratom-LASIK verfĂŒhrte die AugenlaserĂ€rzte am Anfang, bei einer Fehlsichtigkeit von bis zu −25 dpt zu lasern, eine Indikation zur Refraktiven Hornhaut-Chirurgie, die nach heutigem Kenntnisstand als Kunstfehler angesehen wĂŒrde. Michael Knorz publizierte seine diesbezĂŒglichen negativen Erfahrungencite-ref-33[33] und in der Folge schrĂ€nkte die KRC (Kommission fĂŒr Refraktive Chirurgie) in Deutschland den zuverlĂ€ssigen Behandlungsbereich auf maximal -10 dpt ein. Große Bedenken kamen auf, als das Auftreten von medizinisch induziertem Keratokonuscite-ref-34[34] durch zu dĂŒnne Hornhaut, entweder vorbestehend oder durch die Keratom-cite-ref-35[35] und Laserbehandlung induziert beobachtet wurden.

Maßgeschneiderte Augenlaserbehandlung mittels Wellenfront-Technologie

Das Auftreten von Komplikationen nach refraktiven Hornhaut-Eingriffen und deren Beseitigung entfachte in der optischen Industrie die Entwicklung von neuen Untersuchungsmethoden wie die Wellenfront-Analyse und eine optische Pfadmessung zur Erzeugung maßgeschneiderter Laserbehandlungencite-ref-36[36], die seit 1999 Thema vieler refraktiv-chirurgischer Kongresse waren. Zur Erfassung von „Aberrationen höherer Ordnung“ werden durch ein „Linsen-Array-System“ bestehend aus ĂŒber 100 diagnostischen in Gitterform angeordneter Laserstrahlen von der Netzhaut reflektiert. Die Abweichungen von der Idealline in der Laufgeschwindigkeit zwischen den Einzellaserstrahlen werden gemessen und in einem rechenintensiven, aufwendigem Korrekturprogramm geglĂ€ttet. So können Excimerlaser-Abtragsprofile programmiert werden, die auch dezentrierte Hornhaut-Behandlungszonen oder zu kleine optische Zonen erheblich zu bessern vermögen, wenn nicht sogar die EinschrĂ€nkungen komplett beseitigen.cite-ref-37[37]

Der Übergang von der Keratom-LASIK zur femto-LASIK

In der Entwicklung der Operationstechniken waren prĂ€zisere und möglichst dĂŒnne „Flaps“ höchst erstrebenswert, um die grĂ¶ĂŸtmögliche Restdicke an der Hornhaut stehen lassen zu können. Deshalb wurde die 2004 auf den Markt kommende Femtosekunden-LASIK („femto-LASIK“) schnell aufgenommen. John Marshall prĂ€sentierte 2006 auf dem 24. Kongress der ESCRS (European Society of Cataract und Refractive Surgery) die histologisch untermauerten Vorteile der Femto-LASIK und prĂ€gte den Begriff der „SBK-LASIK“.cite-ref-38[38] Bei dieser Technik entfallen alle Gefahrenmomente der mechanischen Schnitttechnik, denn die Hornhautkappe, das „Flap“, wird unter Sicht durch die „Photodisruption“ des femto-Laserscite-ref-39[39] innerhalb des Gewebes erzeugt, bevor durch den Randschnitt ein Zugang zu dem Behandlungs-Ziel-Gewebe zwischen Hornhautkappe und Hornhaut-Bett möglich ist. Hier bestand nun die Problematik, wie man das ĂŒber GewebebrĂŒcken immer noch mit dem Hornhaut-Bett verbundene „Flap“ von seiner Unterlage lösen könne. Parry Binder (Los Angeles / USA), Wolfgang PfĂ€ffl (MĂŒnchen / Deutschland) Steven Slade (Houston/USA) und Dan Durrie (Overland Park / USA) hatten als einige der ersten Augenlaserchirurgen Zugang zu den ersten klinisch einsetzbaren Femtosekunden-Lasern des Laser-Herstellers IntraLase und beschĂ€ftigten sich intensiv wissenschaftlich mit der neuen Technik, die den Augenlaserarzt vor neue operative Herausforderungen stellte. Parry Binder, Steven Slade, Dan Durriecite-ref-40[40] und andere ermittelten Energieeinstellung, Schussweitenabstand der Impulse, sowie optimale Photodisruptionstiefe und zeigten die UniformitĂ€t der Hornhautkappe. John Marshall untersuchte die histologischen Gewebeeffekte und Vorteile der Gewebeeinsparung und schuf den Begriff der „SBK“ („sub-Bowman’s Keratomileusis“). Wolfgang PfĂ€ffl und sein Team um die Technische UniversitĂ€t von MĂŒnchen zeigten mittels Echtzeit-Pachymetriecite-ref-41[41] die UnabhĂ€ngigkeit des „Femto-Flaps“ von den vielen Einstellungsparametern, die nicht mehr wie bei der Keratom-LASIK beachtet werden mussten, sowie die geringe Varianz der tatsĂ€chlich erreichten Flap-Dicke von der am femto-Laser eingestellten Ziel-Dicke des „Flaps“. Beide Gruppen beschrieben eine eigene neue Operations-Technik zur Eröffnung der im Gewebe vom Femto-Laser vorgeformten Hornhautkappe: Parry Binder die sogenannte „Hinge-Opening-Technik“cite-ref-3-42-0[42] und Wolfgang PfĂ€ffl die sogenannte „Flaporhexis“cite-ref-43[43]. Michael Knorzcite-ref-44[44] konnte in einer Studie die bessere Haftung des Femto-Flaps im Vergleich zum Keratom-Flap auf dem Hornhaut-Bett zeigen. Eine kontrollierte Vergleichsstudie zwischen dem Femtosekunden-Laser und dem mechanischen Keratom an ca. 1000 Augen aus dem Jahr 2009 beschĂ€ftigt sich mit dem Vergleich zwischen mechanischem Keratom und dem Femtosekunden-Lasercite-ref-45[45]. In dieser Studie glaubt man nachweisen zu können, dass die postoperative Erholungszeit nach der femto-LASIK wesentlich schneller ablĂ€uft, als nach der Keratom-LASIK, wobei sich nach 3 Monaten die Ergebnisse der SehschĂ€rfenprĂŒfung angleichen.

Der femto-Laser als ideales Schneideinstrument in der Augenchirurgie

Die Femto-Lasertechnik hat sich als ideales Werkzeug zur kontrollierten computergesteuerten Operation an den optischen Medien des Auge erwiesen und fĂŒhrte zu weiteren Anwendungen wie der Femto-Katarakt-Operation und der SMILE-Operation,cite-ref-46[46]cite-ref-47[47] einer Alternative zur LASIK-Operation. Die Bewertung dieser Methoden ist noch Teil der gegenwĂ€rtigen Wissenschaftsdiskussion.cite-ref-48[48]cite-ref-49[49] Es zeichnet sich jedoch schon jetzt ab, dass bei der SMILE-Operation die gleichen physikalischen Grundprinzipien herrschen, bei deren Nichtbeachtung die gleichen Komplikationen drohen wie bei der femto-LASIK oder der Keratom-LASIK.cite-ref-50[50]

Behandlungsbereich und Kontraindikationen

Die LASIK-Methode gilt indiziert fĂŒr die Korrektur von:cite-ref-digii-rc02-51-0[51]cite-ref-52[52]

Die Kommission FĂŒr Refraktive Chirurgie (KRC) unterscheidet zwischen Anwendungsbereich, d. h. der Bereich, in dem das Verfahren als geeignet anzusehen ist und Komplikationen selten sind, und dem Grenzbereich, in dem das Verfahren noch angewendet werden kann, Nebenwirkungen und Komplikationsrate jedoch erwartungsgemĂ€ĂŸ höher sind. FĂŒr den Grenzbereich gelten strengere AufklĂ€rungshinweise an den Patienten.

Anwendungsbereich

Kurzsichtigkeit bis -8,0 dpt, Weitsichtigkeit bis +3,0 dpt und Astigmatismus bis 5 Dioptrien, wobei beide Werte zusammengezĂ€hlt -6,0 dpt nicht ĂŒberschreiten dĂŒrfen.

Grenzbereich

Kurzsichtigkeit bis -10,0 dpt, Weitsichtigkeit bis +4,0 dpt und Astigmatismus bis 6 Dioptrien, wobei beide Werte zusammengezĂ€hlt -10,0 dpt nicht ĂŒberschreiten dĂŒrfen.

Diese Grenzen können je nach Land, Klinik und verwendetem Lasersystem ein bis zwei Dioptrien höher oder niedriger ausfallen. Die Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft (DOG) stuft beispielsweise die LASIK nur fĂŒr Kurzsichtigkeit bis −10 dpt und Astigmatismus bis 3 dpt als „wissenschaftlich anerkannt“ ein.cite-ref-53[53]

Kontraindikationen sind UmstÀnde, die eine LASIK-Behandlung verbieten oder nur unter sorgfÀltiger AbwÀgung der bestehenden Risiken zulassen, beispielsweise das Vorliegen von Anzeichen einer Hornhauterkrankung.

Wesentliche Voraussetzung fĂŒr eine LASIK-Behandlung ist eine ausreichend dicke Hornhaut und das Fehlen von krankhaften HornhautverĂ€nderungen (Indikation). Als Normalbereich der Hornhaut gilt ein Bereich von 480–600 ”m. Eine zu dĂŒnne Hornhaut gilt als strenge Kontraindikation, wenn zusĂ€tzlich Risikomomente wie besonders steile Hornhaut (z. B. >49 dpt) oder irregulĂ€rer Astigmatismus oder Vorwölbung der RĂŒckseite der Hornhaut (subklinischer Keratokonus) vorliegen. Moderne Topographie-GerĂ€te erzeugen mit computergestĂŒtzten Rechenmodellen Wahrscheinlichkeitberechungen fĂŒr das Vorliegen krankhafter HornhautzustĂ€nde. Als Grenzwert der DurchfĂŒhrbarkeit einer Excimer-Laseroperation gilt eine verbleibende Restdicke nach der Behandlung von mindestens 250 ”m. In Deutschland soll der Operateur zusĂ€tzlich eine Reserve von 30 ”m fĂŒr eine eventuelle Nachkorrektur bei der Operationsplanung berĂŒcksichtigen. Berechnet wird diese Restdicke aus der Hornhautdicke abzĂŒglich der Flap-Dicke und der maximalen Abtragstiefe. Eine LASIK sollte nicht durchgefĂŒhrt werden, wenn chronisch progressive Hornhauterkrankungen vorliegen. Insbesondere bei Keratokonus verbietet sich die Behandlung, da die Hornhaut weiter geschwĂ€cht wird und sich das Krankheitsbild dramatisch verschlechtern wĂŒrde. Ist die Refraktion (Augenoptik) des Patienten nicht stabil, das heißt weichen die Refraktionsbestimmungen in relativ kurzen ZeitabstĂ€nden signifikant voneinander ab, sollte keine LASIK-Behandlung durchgefĂŒhrt werden. Als Kontraindikationen gelten weiterhin die Augenerkrankungen Glaukom mit GesichtsfeldschĂ€den und symptomatische Katarakt. Allgemeinerkrankungen, die eine LASIK-Behandlung ausschließen, sind Kollagenosen, Autoimmunkrankheiten und Wundheilungsstörungen. Schließlich sollten LASIK-Patienten mindestens 18 Jahre alt sein. FĂŒr manche Hornhauterkrankungen stellt die Augenlaserbehandlung in Form einer PTK (Phototherapeutische Keratektomie) die Therapie der Wahl dar und wird dann auch von der gesetzlichen Krankenkasse finanziell unterstĂŒtzt.

Voruntersuchungen zur Augenlaser-Operation

Die Erwartungen an das Behandlungsergebnis sind von Patient zu Patient sehr unterschiedlich und sollten im Vorfeld ausgiebig mit dem behandelnden Arzt besprochen werden.cite-ref-lasikverzeichnis-54-0[54]

ZunĂ€chst steht neben einer ausfĂŒhrlichen fachĂ€rztlichen Augenuntersuchung die Bestimmung der aktuellen Fehlsichtigkeit im Vordergrund. Die Refraktionsbestimmung, d. h. die Brechkraft des Brillenwertes, sollte mindestens zweimal in einem Abstand von mindestens 2 Wochen erfolgen, da Schwankungen von bis zu 0,50 dpt durchaus als normal angesehen werden. Eine genĂŒgend lange Kontaktlinsen-Pause vor der Untersuchung ist obligat zu fordern. Die Refraktionsbestimmung sollte durch einen erfahrenen Augenarzt oder einen Optometristen geschehen. Eine einzige Refraktionsbestimmung mit einem Autorefraktometer ist in jedem Fall als unzureichend einzustufen. WĂŒnschenswert ist die Refraktionsbestimmung durch den Operateur persönlich, da er im Wesentlichen die Haftung fĂŒr einen Behandlungsfehler trĂ€gt. Weiterhin muss die Hornhautdicke, meist mit Hilfe eines sogenannten Pachymeters festgestellt werden. Entscheidende Parameter fĂŒr eine zum Ziel fĂŒhrende Augenlaseroperation ist die ideale Konstellation von Hornhaut-Dicke, GrĂ¶ĂŸe der geplanten optischen Zone und der zu korrigierenden Dioptriezahl. Je fehlsichtiger der Patient ist oder je weiter der Durchmesser seiner Pupille bei Nacht ist, desto mehr Hornhaut muss abgetragen werden, um ein optisch perfektes Ergebnis zu erzielen. Bei einer zu dĂŒnnen Hornhaut oder nicht ausreichend groß planbaren optisch wirksamen Zone wird ein verantwortlicher Augenarzt die Operation aus SicherheitsgrĂŒnden ablehnen oder dem Patienten Abstriche von der geplanten Zielkorrektur empfehlen. Bei Abweichungen von Therapieplan oder der Überschreitung der KRC-Kriterien, die im Einzelfall erforderlich sein können, muss der Patient in Deutschland ĂŒber dieses Risiko schriftlich aufgeklĂ€rt werden. Das Risiko-Profil der Augenlaseroperation ist genĂŒgend wissenschaftlich erforscht, so dass man in der Regel beide Augen an einem Tag operieren lassen kann.

Die Voruntersuchungen dienen zum einen dazu, die korrekten Behandlungsdaten zu erfassen, zum anderen aber auch, um Kontraindikationen auszuschließen. Der Patient sollte mindestens zwei Wochen vor den Voruntersuchungen keine Kontaktlinsen tragen.

Insgesamt sollten folgende Untersuchung vor der Operation durchgefĂŒhrt werden:cite-ref-augen-uniklinikum-dresden-de-55-0[55]

‱ Bestimmung der Hornhautdicke mit einem Ultraschall-Pachymeter oder Vorderkammer-OCT
‱ Hornhauttopografie zur Bestimmung der HornhautkrĂŒmmung und Erkennung von HornhautirregularitĂ€ten
‱ Messung der PupillengrĂ¶ĂŸe (Pupillometrie)
‱ Augeninnendruckmessung
‱ TrĂ€nenfilmbestimmung
‱ Allgemeine augenĂ€rztliche Untersuchung inklusive Spaltlampenuntersuchung
‱ Untersuchung der Netzhaut bei weit gestellter Pupille (Mydriasis/Cycloplegie)
‱ Anamnese

Behandlungsablauf

Zuerst wird das Auge mit Tropfen lokal betĂ€ubt und ein Lidsperrer wird eingesetzt, der das Auge weit offen hĂ€lt. Mit einem Mikrokeratom (Hornhauthobel) oder einem Femtosekundenlaser (sog. Femto-LASIK) wird eine dĂŒnne Lamelle (Durchmesser etwa 8 bis 9,5 mm und Dicke zwischen 100 und 160 ”m) in die Hornhaut geschnitten. Diese Lamelle (flap) wird nicht komplett abgetrennt, sondern behĂ€lt eine Verbindung zur restlichen Hornhaut, die als „Scharnier“ dient. Dieses „Scharnier“ wird heute meist superior (also oben), vereinzelt aber auch noch nasal (zur Nase hin) platziert (z. T. abhĂ€ngig vom Mikrokeratom) oder aber mit dem femto-Laser bei starkem Astigmatismus auch als ovales Flap programmiert.

Das Mikrokeratom wie auch das Interface des Femto-Lasers besteht in der Regel aus zwei Teilen, einem Saugring zur Fixierung und einem beweglichen Schneidkopf mit einer oszillierenden Klinge bez. Laserstrahl-Austrittslinse. WĂ€hrend dieses Vorgangs verliert das Auge vorĂŒbergehend seine Lichtwahrnehmung, da der Augeninnendruck ansteigt und der Blutfluss in den NetzhautgefĂ€ĂŸen kurzzeitig reduziert oder unterbunden wird. Der Flap-Schnitt ist in wenigen Sekunden durchgefĂŒhrt und die Sehkraft kehrt sofort zurĂŒck.

Das rechts abrufbare Video zeigt eine typische LASIK-Behandlung mit einem Mikrokeratom.

Das Auge wird von einem Lidhalter offen gehalten und die Umgebung des Auges ist steril abgedeckt. Vor dem Mikrokeratomschnitt wird die Hornhaut asymmetrisch markiert, um das Flap im Falle einer Komplikation wieder korrekt positionieren zu können. Der Saugring des Mikrokeratoms wird anschließend zentral aufs Auge platziert und das Mikrokeratom selbst eingesetzt. Mit einer schnell oszillierenden Klinge fĂŒhrt das Mikrokeratom die VorwĂ€rtsbewegung aus und schneidet damit den Flap (in diesem Fall superior).

Nach dem Schnitt wird dann der Flap geöffnet und mittels Ultraschallpachymeter die restliche Hornhautdicke gemessen, um festzustellen, ob der Flap die gewĂŒnschte Dicke hatte. Bei geöffnetem Flap wird vor der eigentlichen Behandlung sichergestellt, dass die zu behandelnde OberflĂ€che gleichmĂ€ĂŸig trocken ist. WĂ€re dies nicht der Fall, wĂŒrde es, aufgrund der starken Absorption des Excimerlichts in Wasser, zu einem ungleichmĂ€ĂŸigen Gewebeabtrag kommen.

Die Excimerlaserbehandlung selbst ist kaum wahrnehmbar, da das Licht des Excimerlasers mit seiner WellenlÀnge von 193 nm unsichtbar ist. Man sieht durch das Operationsmikroskop minimale FormverÀnderungen auf der behandelten HornhautflÀche.

Im Anschluss an den Laserabtrag wird die behandelte FlĂ€che gespĂŒlt und der Flap unter weiterem SpĂŒlen zurĂŒckgeklappt. Das grĂŒndliche SpĂŒlen ist wichtig, um eventuelle Fremdkörper (Abtragsreste, Epithelzellen, Methocelpartikel des Tupfers, Fett des TrĂ€nenfilms) aus dem Bereich zwischen Flap und Hornhaut (dem sog. Interface) zu entfernen. Mit einem kleinen SchwĂ€mmchen wird die ĂŒberflĂŒssige FlĂŒssigkeit aus dem Interface gesaugt und der Flap glatt gestrichen. Damit ist die Behandlung beendet und der Lidsperrer kann entfernt werden.

Der Flap-Schnitt mit dem Femtosekundenlaser setzt sich immer mehr gegenĂŒber dem mechanischen Mikrokeratom durch. Er bietet verschiedene Vorteile, insbesondere die grĂ¶ĂŸere Sicherheit, da der Schnitt visuell ĂŒberwacht, gestoppt und nachjustiert werden kann. Wird der Laserschnitt nicht korrekt ausgefĂŒhrt (z. B. Lösen des VerbindungsstĂŒckes zwischen Auge und Laser-Austrittslinse durch Saugungsverlust), kann die Behandlung je nach Fall wiederholt oder gefahrlos abgebrochen werden. Da der Laser das Gewebe mit winzigen Blasen perforiert, bleiben immer GewebebrĂŒcken zurĂŒck, die der Arzt mit einem geeigneten Instrument trennen muss, um das Gewebe komplett zu separieren. Man kann sich das in etwa so vorstellen wie die Perforation an Briefmarken, bei der ein Kraftaufwand nötig ist, um sie zu trennen, aber die Trennung erfolgt genau an der festgelegten Stelle. Entschließt sich der Arzt also, die Behandlung abzubrechen, werden die erzeugten BlĂ€schen vom Gewebe resorbiert und die Hornhaut ist praktisch unversehrt. Eine spezielle Technik der Hornhautkappenseparation wird Flaporhexiscite-ref-2-56-0[56]cite-ref-4-57-0[57] genannt. Sie reduziert den mechanischen Stress der Hornhautkappe beim Separieren vom Hornhautstroma und lĂ€sst den zentralen Bereich ĂŒber der Eintrittspupille frei von der BerĂŒhrung mit einem Instrument. Dies stellt die ideale Voraussetzung fĂŒr einen von mechanischen Instrumenten unbeeinflussten wellenfrontgefĂŒhrten Abtrag mit dem Excimerlaser dar.cite-ref-4-57-1[57]cite-ref-2-56-1[56] Eine weitere Technik der Hornhautkappenseparation ist bekannt als hinge-openingcite-ref-3-42-1[42] („Scharnieröffner“).

Ein weiterer Vorteil ist die PrĂ€zision des Schnitts, die gewĂ€hrleistet, dass der Flap mit hoher Genauigkeit die voreingestellten Dimensionen hat. Dies erlaubt das Schneiden wesentlich dĂŒnnerer Flaps (Minimum 90 ”m). Die Behandlung unter Einsatz eines Femtosekundenlasers wird als Femto-LASIK bezeichnet. Sie stellt eine technisch anspruchsvollere Variante mit geringerem Gewebeverbrauch durch ein uniformes Hornhaut-Flap und damit verbunden gewöhnlich dickeren Restdicke des Hornhaut-Stromas sowie einer stabiler gestalteten Randgeometrie dar. Bei einem sog. „Fehlschnitt“ sind in der Regel keine Komplikationen zu befĂŒrchten, da das durch Photo-Disruption getrennte Gewebe in der Regel problemlos abheilt und der Schnitt nach der Abheilungszeit wiederholt werden kann.

Nach erfolgreichem Flap-Schnitt wird dieser, inklusive der Bowman’schen Basalmembran und des Epithels, zur Seite geklappt und auf dem darunter liegenden Gewebe im Hornhaut-Stroma die Laserbehandlung durchgefĂŒhrt. Die Dauer der Laserbestrahlung richtet sich nach dem Ausmaß der Dioptrie-Korrektur und dem Behandlungsdurchmesser, liegt aber bei modernen Lasern in der Regel bei unter 30 s. WĂ€hrend der Behandlung verfolgt ein sog. „Eyetracking“-System die Augenbewegungen und fĂŒhrt den Laserstrahl den Augenbewegungen nach. Nach Ende der Laserbehandlung wird der Flap wieder an den ursprĂŒnglichen Platz zurĂŒck geklappt, der Bereich zwischen Flap und Hornhaut grĂŒndlich gespĂŒlt und der Flap sorgfĂ€ltig positioniert. Ist der Arzt mit der Flap-Position zufrieden, entfernt er den Lidsperrer und der Patient kann sein Auge schließen. Das Epithel heilt am Rand des Flaps selbstĂ€ndig innerhalb von ein bis zwei Tagen. Ein festes Anhaften der gesamten SchnittflĂ€che nimmt jedoch mehrere Wochen bis einige Monate in Anspruch.

Vor- und Nachteile

Vorteile der LASIK:

‱ Kaum Schmerzen wĂ€hrend und nach der Operation.
‱ Sehr schnelle Visuserholung, das Behandlungsergebnis ist praktisch sofort nach dem Eingriff erfahrbar.
‱ Verglichen mit Implantaten geringes Infektionsrisiko.
‱ Es liegen jahrelange Erfahrungen durch weltweit Millionen von Operationen vor.

Nachteile

‱ Das Flap bringt verschiedene Risiken mit sich (siehe Risiken)
‱ Trockene Augen von durchschnittlich 6–8 Wochen, bei abnormalem Hormonstatus (Östrogen/Thyroxin) auch lĂ€nger

Durch die stÀndige Weiterentwicklung der Technik sind Àltere bzw. Langzeitstudien zur LASIK nur bedingt aussagefÀhig. Verbesserungen wie beispielsweise bessere Trackingsysteme und optimierte Ablationsprofile sind bei manchen Studien noch nicht eingeflossen. Moderne Behandlungsmethoden und die zunehmende Erfahrung der Operateure liefern eine hohe Vorhersagbarkeit. Etwa 85 % der Behandelten liegen im Bereich von ±0,5 dpt.

In einer Studie ĂŒber LASIK ĂŒber ein Jahrcite-ref-pop3-10-58-0[58] erzielten 78 % der Patienten die angestrebte Korrektur (±0,5 Dioptrien, teilweise mit zwei OPs). Nach zwölf Monaten hatten nur noch 5 % Nachtsichtprobleme. UngefĂ€hr 94 % hatten nach diesem Jahr den gleichen oder besseren unkorrigierten Visus. Sehr ausfĂŒhrliche Studienergebnisse prĂ€sentiert die amerikanische Food and Drug Administration (FDA) auf ihrer Webseite.cite-ref-fda-gov-59-0[59] Diese Studien werden im Rahmen der Zulassungsverfahren fĂŒr refraktive LasergerĂ€te durchgefĂŒhrt und gelten als sehr zuverlĂ€ssig. Sie werden streng ĂŒberwacht und an mehreren Kliniken parallel durchgefĂŒhrt.

Risiken

Wie bei jedem operativen Eingriff gibt es auch bei der LASIK eine Reihe von Risiken. Die Art und HÀufigkeit des Auftretens hÀngen unter anderem von der Erfahrung des Operateurs, der Höhe der Korrektur, der verwendeten Laser- oder Operations-Technik und individueller patientenbezogener Einflussfaktoren ab.

Allgemeine Risiken, die sowohl bei der LASIK, aber auch bei jeder anderen Art von refraktiver Chirurgie bestehen, sind EinschrĂ€nkungen des DĂ€mmerungs- und Nachtsehens bei zu kleiner erreichter optischer Zone durch reduzierte KontrastsensitivitĂ€t, Glare (Glanzeffekte) und Halogone (Lichthöfe).cite-ref-60[60]cite-ref-6-5-2[5] Auftreten können außerdem kurz- bis langfristige Über- oder Unterkorrekturen sowie eine Verringerung der SehschĂ€rfe mit optimaler Brillenkorrektur (sog. bestkorrigierter Visus). Infektionen am Auge sind selten, aber möglich und können in der Regel bei sorgfĂ€ltiger postoperativer Betreuung gut behandelt werden.

Das Risiko von SehbeeintrĂ€chtigungen nach einer LASIK-Behandlung hĂ€ngt auch von individuellen Risikofaktoren (etwa der Dioptriezahl, flache Hornhaut, PupillengrĂ¶ĂŸecite-ref-pop3-10-58-1[58]) ab.cite-ref-61[61] Außerdem hat die Erfahrung des Operateurs einen gravierenden Einfluss auf die Komplikationsrate. Eine Studie aus dem Jahr 1998 vergleicht die intraoperative Komplikationsrate der ersten 200 Behandlungen eines Operateurs mit der der folgenden 4800 Behandlungen. Bei den ersten 200 Behandlungen liegt die Rate bei 4,5 %, bei den weiteren Behandlungen nur bei 0,87 %.cite-ref-62[62]

Ein gewisses Risiko besteht in der strukturellen SchwĂ€chung der Hornhaut nach dem Gewebsabtrag. Diese SchwĂ€chung und der stĂ€ndig auf die Hornhaut einwirkende Augeninnendruck können zu einer Vorwölbung der Hornhaut fĂŒhren (Keratektasie). Das Risiko dafĂŒr steigt mit abnehmender Restdicke der Hornhaut nach der Behandlung. Als Mindestwert fĂŒr die Restdicke gelten 250 ”m. Die Restdicke berechnet sich aus der zentralen Hornhautdicke abzĂŒglich der Flapdicke und des zentralen Gewebeabtrags. Post-LASIK Keratektasie ist eine Langzeitkomplikation, die mit einer Latenzzeit von bis zu 10 Jahren auftreten kann. Die HĂ€ufigkeit dieser schweren, sehbeeintrĂ€chtigenden Komplikation wird mit ca. 0,6 % und 0,9 % bzw. bis zu 2,5 % bei höheren Kurzsichtigkeiten angegeben.cite-ref-63[63]cite-ref-64[64]cite-ref-65[65]

Insbesondere durch das Schneiden des Flaps bringt die LASIK-Methode eine Reihe von Risikencite-ref-digii-rc02-51-1[51] mit sich. In den ersten Tagen nach der Behandlung kann es zu einem Missempfinden an der Hornhaut kommen. Sehr hĂ€ufig, in 15–20 % der FĂ€lle, treten trockene Augen in den ersten Wochen oder Monaten nach der Behandlung auf. Die Ursache fĂŒr trockene Augen liegt im Durchtrennen von Hornhautnerven durch den Flapschnitt. Die durchtrennten Nerven können nicht mehr die Austrocknung der HornhautoberflĂ€che erkennen und TrĂ€nenproduktion und Lidschlagfrequenz werden reduziert. FĂŒr Patienten mit chronischem trockenen Auge erhöht sich die Wahrscheinlichkeit einer Wiederverschlechterung.cite-ref-66[66]

Das Schneiden des Flaps stellt insbesondere bei der Benutzung eines Mikrokeratoms ein ernst zu nehmendes Risiko dar. Die gewĂŒnschte Form und GrĂ¶ĂŸe des Flaps wird unter UmstĂ€nden nicht erreicht und in seltenen FĂ€llen kann es auch zu unvollstĂ€ndigen oder durchbrochenen Flaps (Hemi-Flap oder Knopfloch-Flap) kommen. Ein weiteres Risiko insbesondere des Keratom-Flaps ist das Einwachsen von Epithelzellen vom Randschnitt unter den Flap. Diese fĂŒhren zu TrĂŒbungen im betroffenen Areal, sind aber vom Arzt relativ einfach zu entfernen. Der Flap kann nach der Behandlung durch starke Ă€ußere EinflĂŒsse verschoben, oder gar abgetrennt werden. Eine solche Gefahr besteht insbesondere bei Sport- oder AutounfĂ€llen. Schließlich besteht bei jeder Augenlaser-Operation die Gefahr einer Ektasie und zwar möglicherweise bei der Keratom-LASIK in höherem Maße als bei der PRK, da die Hornhaut in einem tiefer liegendem Gewebeabschnitt geschwĂ€cht wird. Generell wĂŒnschenswert wĂ€re deshalb der routinemĂ€ĂŸige Einsatz der sog. Online-Pachymetrie die wĂ€hrend der laufenden Excimerlaser-Einwirkung auf die Hornhaut dessen Abtrag in Echtzeit misst, um so zu vermeiden, dass der Excimer versehentlich zu tief in die Hornhaut eindringt und die kritischen Grenzwerte unterschreitet.cite-ref-2-56-2[56]cite-ref-7-26-1[26]

Die ersten LASIK-Behandlungen wurden 1990 durchgefĂŒhrt, inzwischen gibt es lĂ€ngerfristige Erkenntnisse zu deren eventuellen SpĂ€tfolgen.cite-ref-9-27-1[27]cite-ref-67[67] Bei etwa < 1 % aller Patienten von LASIK kommt es zu Komplikationen wĂ€hrend der OP. Der Flap hĂ€lt nach der Operation grĂ¶ĂŸtenteils ĂŒber adhĂ€sive KrĂ€fte. Das Anheben des Flaps ist selbst noch nach sieben Jahren möglich.cite-ref-shah-68-0[68] Das Flap erweist sich als Ă€ußerst stabil. Absolute RaritĂ€ten sind Dislokationen mit nur geringer Ă€ußerer Einwirkung (Reiben am Auge, Kontaktlinsen). Möglich sind diese durch Sportverletzungen (etwa Squash-Ball oder Gummiexpander), Kontakt mit den Krallen von Haustieren oder AutounfĂ€lle mit Airbag-Auslösung. Nur bei korrekter und zeitnaher Revision durch einen Spezialistencite-ref-69[69]cite-ref-70[70] kann im UnglĂŒcksfall wieder ein akzeptabler Visus hergestellt werden.

Alternativen

Operationsmethoden mit einer geringeren HĂ€ufigkeit des Auftretens von Flap-bedingten Komplikationen sind:

‱ Femtosekunden-Lentikel-Extraktion – der Flap wird mittels Laser geschnitten
‱ Small Incision Lenticule Extraction – nur ein kleiner Schnitt mittels Laser von 2 bis 4 mm LĂ€nge ist erforderlich

Literatur

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Weblinks

‱ Femto-LASIK auf der Website der Kommission Refraktive Chirurgie des Berufsverbandes der AugenĂ€rzte Deutschlands e. V. (BVA) und der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft e. V. (DOG)
‱ Die LASIK-Operation auf der Website des Kuratorium Gutes Sehen e. V. (KGS)

Einzelnachweise

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